2015-01-15_freiwilligenschulsport

Chur schränkt ausserschulische Aktivitäten ein

Aufgrund der veränderten Lage schliesst die Stadt Chur ihre Infrastrukturen für ausserschulische Vereinsaktivitäten. Betroffen sind Schulgebäude und Turnhallen der Stadtschule und GBC sowie die Sport- und Eventanlagen. Für den Leistungssport werden Ausnahmen erteilt. Die Massnahme wird ab Samstag, 23. Januar 2021, eingeführt und bleibt vorläufig bis zum Ende der Sportferien am Sonntag, 7. März 2021, in Kraft.

An der Sitzung vom 10. November 2020 beschloss der Stadtrat die Gesamtplanung zur Sicherung des Präsenzunterrichts an der Stadtschule Chur. Diese beinhaltet ein vierstufiges Modell für Massnahmen zur Verhinderung des Fernunterrichts. Aufgrund der aktuellen Lagebeurteilung entschied der Stadtrat am 19. Januar 2021 wo immer möglich die Konzentration auf den Klassenverband in schulischen und schulnahen Angeboten weiter zu intensivieren sowie die städtischen Infrastrukturen für ausserschulische Vereinsaktivitäten zu schliessen. Ausnahmen werden im Bereich von schulnahen Therapieangeboten und im Leistungssport bewilligt. Letztere werden durch die Abteilung Sport der Dienststelle Gesellschaft erteilt.

Die Kindertagesstätten der Stadtschule Chur sichern Betreuungslücken für Kindergarten- und Schulkinder ab, wenn die Familien diese nicht anderweitig schliessen können.

"Dieser Entscheid ist uns nicht leicht gefallen, denn es ist uns bewusst, dass ausserschulische Aktivitäten Kindern und Jugendlichen eine wichtige Struktur geben", so der zuständige Stadtrat Patrik Degiacomi. Doch Einschränkungen/Massnahmen wie Unterricht in Teilklassen und Schulschliessungen würden weitaus grössere Risiken darstellen. Zudem steht für den Stadtrat der Schutz von Kindern und Jugendlichen, ihren Familien sowie der Mitarbeitenden im Vordergrund.

Die Hinweise auf eine deutlich schnellere Verbreitung von mutierten Corona-Viren und in diesem Zusammenhang die schwerer kontrollierbaren Risiken für die Gesundheit, aber auch die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts, waren für diesen Entscheid ausschlaggebend. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen und Quarantänefälle an der Stadtschule noch stabil ist, drängte sich aufgrund der Mutationen aus Grossbritannien und Südafrika eine Neubeurteilung der Lage auf. Der Bundesrat entschied, dass ab 18. Januar 2021 private und öffentliche Versammlungen auf fünf Personen (inkl. Kinder) beschränkt werden. Der Kanton Graubünden schränkte schulhausübergreifenden Unterricht an der Volksschule ein. Alle Bemühungen der Volksschule zur Reduktion von Kontakten sind aus Sicht des Stadtrates wirkungslos, wenn die ausserschulischen Vereinsaktivitäten von Kindern und Jugendlichen uneingeschränkt aufrecht erhalten werden. Der Stadtrat kann und will ausserschulische Vereinsaktivitäten jedoch nicht einfach verbieten.

Durch die Schliessung der eigenen Räumlichkeiten kann die Stadt dennoch ein wichtiges Signal an alle Anbieter von ausserschulischen Angeboten senden: Helft uns die Kinder, ihre Familien und die Lehrpersonen zu schützen. Bitte stellt die Tätigkeiten vorübergehend ein.

Die Massnahme wird vorläufig befristet bis 7. März 2021 (Ende Sportferien) umgesetzt. Vor den Sportferien nimmt der Stadtrat eine Neubeurteilung der Lage vor.

Interview mit Patrik Degiacomi ergänzend zur Medienmitteilung

Patrik Degiacomi, warum geht die Stadt Chur mit der Schliessung der Infrastrukturen für ausserschulische Vereinsaktivitäten einen Schritt weiter als der Bund es vorgibt?
Der Stadtrat begrüsst die Massnahmen und insbesondere die Meinung, dass die Schliessung von Schulen die Ultima Ratio – also die letzte aller Massnahmen sein sollte. Die Massnahmen vom 18. Januar 2021 sind aus Sicht des Stadtrates diesbezüglich jedoch nicht schlüssig. Die Einschränkung im privaten Bereich auf fünf Personen soll die Kontaktzahlen möglichst tief halten. Der Kanton verbietet zusätzlich schulhausübergreifende Wahlfächer sowie die Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfungen an die Mittelschulen. Auch im Schulbetrieb geben wir uns grösste Mühe die Kontakte auf den Klassenverband zu konzentrieren. Die Möglichkeit mit einer Vielzahl von Kindern abends in ausserschulischen Aktivitätenzusammenzukommen, macht diese Massnahmen jedoch wirkungslos.

Wieso verschärft die Stadt die Massnahmen wenn die Fallzahlen sinken?
Die Erfahrungen mit dem Fernunterricht im Frühjahr haben gezeigt, dass dies für die Bildung und Förderung vieler Kinder und auch für den Alltag der Familien gravierende Auswirkungen hat. Der Stadtrat verabschiedete daher im November 2020 ein Konzept zur Sicherstellung des Präsenzunterrichts an der Stadtschule. Die grösste Herausforderung dabei ist, dass bei Isolation oder Quarantänefällen von Lehrpersonen die Stellvertretungen schnell einmal nicht mehr sichergestellt werden können. Wir sind im Herbst diesbezüglich in verschiedenen Schulhäusern schon in Engpässe geraten. Nun verbreiten sich die mutierten Corona-Varianten eindeutig schneller und haben vor allem auch drastischere Isolations- und Quarantänemassnahmen zu Folge. Der Betrieb der Stadtschule kommt unter diesen Voraussetzungen schnell an seine Grenzen, wenn wir uns nicht früh genug – also jetzt - wappnen.

Können Sie das genauer erläutern?
Das Prinzip ist einfach: je weniger Kontakte, desto geringer das Risiko von Ansteckungen respektive Quarantäne und Isolation. Das gilt für Erwachsene, aber natürlich auch für Kinder und Jugendliche. Ich mache Ihnen gerne ein Beispiel dazu: Um die Kontaktzahl einzuschränken, dürfen Zuhause inklusive der Kinder nur noch fünf Personen zusammenkommen und in den Schulen versuchen wir wo immer möglich im Klassenverband zu bleiben. In ausserschulischen Aktivitäten treffen dann jedoch Abend für Abend 20 Kinder aus verschiedenen Haushalten, Klassen oder Schulen aufeinander, was die Kontaktzahl massiv erhöht. Die strengen Schutzmassnahmen in den Schulen wirken einer Durchmischung wirksam entgegen; die ausserschulischen Aktivitäten machen all diese jedoch wirkungslos.

Wie sind die Reaktionen auf den Entscheid ausgefallen?
In den letzten Wochen hatten wir sehr viele Anfragen von verunsicherten Eltern oder auch Vereinen, weil die Massnahmen von Bund und Kanton unverständliche Lücken aufweisen. Diese Verunsicherungen konnten gut beseitigt werden. Die Schliessung hat auf der anderen Seite jedoch gerade bei Sportvereinen und musischen Angeboten Rückfragen, aber auch Bedauern und Sorgen ausgelöst. Ich schätze das Engagement der Vereine für die ausserschulische Förderung der Kinder ausserordentlich und hoffe, dass möglichst wenige in ihrem Engagement nachlassen. Viele Vereine haben während des Lockdowns im Frühling einen sehr guten Job gemacht, indem sie den Kindern Bewegungs- und Trainigstipps für zu Hause haben zukommen lassen und mit ihnen virtuell in Kontakt blieben. Es gibt diverse Vereine, die ausserhalb der städtischen Infrastrukturen trainieren, und sich dennoch der Pause bis zu den Sportferien angeschlossen haben. Diesen Beitrag zum Gemeinwohl schätzt der Stadtrat in der aktuell schwierigen Lage ausserordentlich.

Was bedeutet diese Massnahme für die Kinder?
Dieser Entscheid ist uns nicht leicht gefallen, denn es ist uns bewusst, dass ausserschulische Aktivitäten Kindern und Jugendlichen eine wichtige Struktur geben. Unser Ziel ist es jedoch, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten und Schüler/innen, ihre Familien sowie das Lehrpersonal zu schützen. Eine Rückkehr zum Fernunterricht wäre noch deutlich einschneidender als die vorübergehende Schliessung der Infrastrukturen für Drittnutzende. Der Entscheid ist ja befristet bis zu den Sportferien. Die Stadtschule arbeitet mit dem Kanton daran mit regelmässigen Testungen in den Schulen die Risiken anderweitig zu reduzieren. Das könnte es ermöglichen, dass die ausserschulischen Aktivitäten nicht mehr weitergeführt werden müssen.